1 Jahr „Fairtrade-Town“ Ingelheim

Pressemitteilung Stadt Ingelheim 17.12.2015


Seit fast einem Jahr darf Ingelheim am Rhein sich als „Fairtrade-Town“ bezeichnen. Ingelheim ist eine von derzeit 380 Städten in Deutschland mit diesem Prädikat. Diese Städte verfolgen im Rahmen der Kampagne das gemeinsame Ziel: den Fairen Handel in der Zivilgesellschaft, der Politik und im Handel voranzubringen. Hinter der Verleihung des Titels „Fairtrade-Town“ steht ein langer Weg, der zu dieser Zertifizierung durch TransFair - Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt e.V. geführt hat. Fünf Kriterien muss eine Stadt hierfür erfüllen: Es muss ein Ratsbeschluss vorliegen, dass im Rathaus nur noch Fairtrade-Kaffee getrunken sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird. Die Bildung einer lokalen Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten vor Ort koordiniert, ist eine weitere Voraussetzung. Ebenso müssen bei einer Stadt in der Größenordnung von über 25.000 Einwohnern mindestens sechs Geschäfte sowie drei Gastronomiebetriebe mindestens jeweils zwei unterschiedliche Produkte aus fairem Handel anbieten, beziehungsweise ausschenken. Weiterhin zählt zu den Zertifizierungskriterien, dass öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen ebenfalls Fairtrade-Produkte verwenden und dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt werden. Auch die Berichterstattung über die in der Stadt durchgeführten Aktivitäten gehört als weitere Bedingung dazu. Ingelheim brauchte rund zwei Jahre Vorbereitungszeit, um diese Voraussetzungen nachzuweisen um somit den Titel „Fairtrade-Town“ zu erlangen.  

Artikel: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/von-ingelheim-aus-ins-land_16957302.htm

 

Die gegründete lokale Steuergruppe in Ingelheim wird koordiniert von Dr. Florian Pfeil. Zusammen wurde eine Reihe gelungener Veranstaltungen durchgeführt und abwechslungsreiche Aktionen ins Leben gerufen. Beispielhaft dafür sind unter anderem das Kakao-Kulturfestival im Februar, die Teilnahme an der Sonderausstellung „Faire Welten“ im Rahmen der Rheinland-Pfalz-Ausstellung im März, eine Vortragsveranstaltung über den fairen Handel mit dem Buchautor Frank Herrmann im Sebastian-MünsterGymnasium sowie ein Stand auf dem Ingelheimer Freundschaftsfest im September und die Beteiligung beim Ingelheimer Weihnachtsmarkt an der Burgkirche im Dezember.     
Besonders stolz ist die Ingelheimer Faitrade-Gruppe auf ihr eigenes Logo „Wir lieben Fairen Handel“, welches viel Lebensfreude und Optimismus ausstrahlt. Das Logo wurde von der Ingelheimer Werbeagentur „Zwiebelfischchen“ entwickelt und kostenlos der Ingelheimer Steuerungsgruppe für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt. Wie gut eine „Fairtrade-Town“ aufgestellt ist, kann man regelmäßig auch beim Austausch mit anderen zertifizierten Fairtrade-Städten erfahren. Ein Treffen aller Städte fand im November im Ingelheimer Weiterbildungszentrum statt. Dort trafen sich die rheinland-pfälzischen Fairtrade-Städte zu einem ganztägigen Netzwerktreffen in Kooperation mit dem Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz ELAN e.V. und der Außenstelle Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland der Engagement Global gGmbH mit vielseitigem Programm. Zu Beginn des Seminars konnten sich die unterschiedlichen Städte-Vertreter über eine Art „Speed-Dating“ zu zweit vier verschiedene Themenfelder besprechen. Dabei ging es darum, seinem Gegenüber die bisher gelungenste Aktivität der jeweiligen Steuerungsgruppen zu erläutern, aber auch die erfolgloseste. Des Weiteren drehten sich die zeitlich begrenzten Dialoge um die Personal- und Finanzausstattung der jeweiligen Kommune bezüglich der Beförderung des Fairen Handels sowie die nächste für das Jahr 2016 geplante Maßnahme. Nachdem sich zwei Städte-Vertreter untereinander ausgetauscht hatten, wurde mit einem anderen Gesprächspartner aus einer weiteren Kommune dieser vorgegebene Themenkomplex erneut erörtert. Am Ende dieses Veranstaltungsblocks wurden die Ergebnisse der Diskussionsrunden zu den jeweiligen Städten auf Stellwänden notiert und im Auditorium besprochen. So konnte jeder Tagungsbesucher ansprechende Aktionsideen aufnehmen und zugleich Knackpunkte bei der Umsetzung von bereits durchgeführten Maßnahmen erkennen. Diese Methodik machte den Teilnehmern so viel Spaß, dass einige sogar eine Wiederholung anregten.  

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Stadtmarketings für Fairtrade-Städte. Als Referentin konnte Lisa Herrman von TransFair Deutschland e.V. gewonnen werden. Sie stellte in ihrer Präsentation zu den verschiedenen Handlungsfeldern wie Innenstadtmarketing, Event- beziehungsweise Tourismusmarketing und auch für die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit besonders gelungene Projektideen vor. Die eine oder andere dargestellte Aktion, wie zum Beispiel das Tragen von ausgeliehenen „Faire-Bananen-Kostümen“ zur Fastnachtszeit oder Fairtrade-Fahnenschmuck in der Innenstadt, wird daher sicherlich ihre Nachahmer finden. Am Ende der konstruktiven und anregenden Tagung wurden unter anderem die mögliche Beteiligung am Rheinland-Pfalz-Tag 2016 in Alzey sowie ein Informationsaustausch mit den Fairen Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar besprochen.

 

AZ Ingelheim 08.12.2015

Speed-Dating für gerechten Handel

 

SEMINAR Städtevertreter der Fairtrade-Towns treffen sich zu Ideenaustausch im Weiterbildungszentrum

INGELHEIM - (red). Seit fast einem Jahr darf Ingelheim sich als „Fairtrade-Town“ bezeichnen. Ingelheim ist eine von derzeit 380 Städten in Deutschland mit diesem Prädikat. Diese Städte verfolgen im Rahmen der Kampagne das gemeinsame Ziel, den Fairen Handel in der Zivilgesellschaft, der Politik und im Handel voranzubringen. Regelmäßig finden Treffen mit zertifizierten Fairtrade-Städten statt, das jüngste im Ingelheimer Weiterbildungszentrum.

 

Erfolge und Misserfolge

 

Zu Beginn des Seminars konnten die unterschiedlichen Städte-Vertreter über eine Art „Speed-Dating“ verschiedene Themenfelder besprechen. Dabei ging es darum, seinem Gegenüber die bisher gelungenste Aktivität der jeweiligen Steuerungsgruppen zu erläutern, aber auch die erfolgloseste. Außerdem drehten sich die Dialoge um die Personal- und Finanzausstattung der jeweiligen Kommune bezüglich der Beförderung des Fairen Handels sowie die nächste für das Jahr 2016 geplante Maßnahme. So konnte jeder Tagungsbesucher ansprechende Aktionsideen aufnehmen und zugleich Knackpunkte bei der Umsetzung von bereits durchgeführten Maßnahmen erkennen. Diese Methodik machte den Teilnehmern so viel Spaß, dass einige sogar eine Wiederholung anregten.

 

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Stadtmarketings für Fairtrade-Städte. Als Referentin konnte Lisa Herrman von „TransFair Deutschland“ gewonnen werden. Sie stellte in ihrer Präsentation besonders gelungene Projektideen der verschiedenen Handlungsfelder wie Innenstadtmarketing, Event- beziehungsweise Tourismusmarketing und Öffentlichkeitsarbeit vor. Die eine oder andere dargestellte Aktion, wie zum Beispiel das Tragen von ausgeliehenen „Faire-Bananen-Kostümen“ zur Fastnachtszeit oder Fairtrade-Fahnenschmuck in der Innenstadt, wird daher sicherlich ihre Nachahmer finden. Am Ende der Tagung wurde unter anderem die mögliche Beteiligung am Rheinland-Pfalz-Tag 2016 in Alzey sowie ein Informationsaustausch mit den Fairen Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar besprochen.

Weitere Informationen zur Steuerungsgruppe Ingelheim, Adressen von Geschäften und Gastronomiebetrieben, welche Fairtrade-Produkte in Ingelheim anbieten, und Informationen zu den drei Ingelheimer Fairtrade-Schulen gibt es im Internet.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/speed-dating-fuer-gerechten-handel_16447205.htm

 

AZ Ingelheim 18.09.2015

 

Über die Grenzen der Nachhaltigkeit

Von Heike Sobotta

FAIRE WOCHE Journalist trifft mit Auftaktreferat im SMG den Nerv der Schüler / Rege Fragestunde

INGELHEIM - „Fair einkaufen ist ein Baustein für nachhaltige Lebensweise“, erklärt Frank Herrmann. Wo und wie es gelingt, wo es hakt und wo momentane Grenzen liegen, das zeigte sein Vortrag zur Auftaktveranstaltung der „Fairen Woche“ in der Mensa des Sebastian-Münster-Gymnasiums (SMG). Der Journalist stellte dabei nicht nur die fünfte Auflage seines Buches „Fair einkaufen – aber wie?“ vor, er fütterte die Anwesenden mit Zahlen, Daten und Fakten rund um den fairen Handel. Aber nicht nur.

 

Daten und Fakten

 

„In diesem Vortrag geht es noch einmal um Basics“, betonte Florian Pfeil, der Leiter der Fridtjof-Nansen-Akademie, in seiner Einführung. Für alle, die sich schon lange intensiv mit fairem Handel auseinandersetzen, brachte das zwar wenig Neues, aber der Referent fesselte trotzdem und er traf den Nerv zahlreicher Schüler von BBS und SMG. Das zeigte die abschließende Fragestunde. „Unterstützen die Regierungen vor Ort die Bemühungen um fairen Handel?“, „Ist es empfehlenswert, selbst vor Ort Erfahrungen zu sammeln?“, „Wie finanziert sich Fair Trade?“, „Stimmt das mit der Kinderarbeit an der Elfenbeinküste wirklich so, mein Vater kommt von dort und er erzählt das etwas anders?“ lauteten die Kommentare und Fragen der jungen Erwachsenen.

 

Frank Hermann empfahl ein Freiwilliges Soziales Jahr, das sei auch gut in Deutschland zu absolvieren, berichtete über Lizenzgebühren zur Finanzierung und davon, dass Kinder der Elfenbeinküste nicht mehr so hart auf den Kakaoplantagen schuften wollen und stattdessen in Städte abwandern.

 

Insgesamt legte Frank Herrmann, der selbst 20 Jahre in Guatemala verbrachte, aber den Finger in offene Wunden, als er von Kaffeebauern erzählte, deren Geld kaum zum Leben reicht und die für sich selbst nur Kaffee aus aussortierten Bohnen zubereiten. Er berichtete von Fischern, die umgesiedelt werden, damit Hotelkomplexe für Touristen entstehen. Er sprach über Monokulturen, etwa dem Ananasanbau in Costa Rica, für den Regenwald gerodet wird. Das ist mit einem großen Einsatz von Pestiziden verbunden, die dann das Trinkwasser vor Ort verseuchen. „Zwei von drei Ananas kommen aus Costa Rica, einem Land so groß wie Niedersachsen“.

 

Zudem erklärte der Referent die wachsende Zahl von Gütesiegeln, die vom Verbraucher nur mit viel Aufmerksamkeit auseinandergehalten werden können, zumal es sich beim fairen Handel nicht um einen geschützten Begriff handle. Auch reiche es neuerdings bei fairen Produkten, wenn ein Bestandteil aus fairem Handel kommt. In der Schokolade also entweder der Kakao oder der Zucker. Er machte aber auch klar, dass fairer Handel den Erzeugern wirklich hilft, und führte Zahlen für Kaffee und Schokolade an. Allerdings werden bisher nur 13 020 Tonnen Kaffee fair gehandelt.

 

Plastikbecher angeprangert

„Durch den Coffee to go werden stündlich 320 000 Kaffeebecher aus Plastik weggeworfen“, prangerte er an und empfahl klaren Verzicht. Herrmann erzählte auch von Baumwoll-T-Shirts. Wenn sie bei uns 29 Euro kosten, erhält der Arbeiter 18 Cent. Sein Credo: Auch wenn 2014 bundesweit schon eine Milliarde für fairen Handel ausgegeben wurde, „das sind umgerechnet 13 Euro pro Person“, reiche das noch lange nicht.

Vor allem junge Männer zeigten sich beim Freundschaftsfest fröhlich und ausgelassen vor der Bühne auf dem Sebastian-Münster-Platz.<br />
	Foto: Thomas Schmidt

Foto: Thomas Schmidt

AZ Ingelheim 21.09.2015

FREUNDSCHAFTSFEST Rund um den Sebastian-Münster-Platz wird bei Musik und internationaler Küche gefeiert

INGELHEIM - Die Stadtmitte rund um den Sebastian-Münster-Platz stand den ganzen Samstag im Zeichen von „Ingelheimat“ – dem Ingelheimer Freundschaftsfest – unter dem Motto „Eine Stadt, eine Welt“. Veranstalter waren das Büro und der Beirat für Migration und Integration. Darüber hinaus beteiligten sich zahlreiche Schulen, Vereine und Institutionen mit Workshops, Bühnenprogramm und Infoständen.

Der Wochenmarkt war für diesen Tag wieder einmal auf den Parkplatz im Einkaufszentrum verlegt worden. Stattdessen schufen weiße Pagodenzelte, eine große Bühne und viele Biergarnituren Fest- und Feieratmosphäre, die zum ausgiebigen Verweilen einlud. Zur Eröffnung am Vormittag kurz vor elf Uhr startete der Kinderchor „Kunterbunt“ der Musikschule mit fröhlichen und nachdenklichen Liedern über unsere Welt. In der Zwischenzeit trafen sich mehrere Kitagruppen unter farbigen Schildern, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Dementsprechend fand das offizielle Begrüßungskomitee mit OB Ralf Claus und den Sprechern für Migration und Integration, dem Beauftragen der Landesregierung, Miguel Vincente, dem Beiratsvorsitzenden Minas Ioannidis und Dominique Gillebeert eine große Zuhörerschar von Eltern und Großeltern. Und OB Ralf Claus fand eindringliche und ambitionierte Worte in einer Zeit, in der auch in Ingelheim viele Flüchtlinge ankommen. Er thematisierte die „Herausforderung für uns alle, die Ankommenden zu integrieren. Wir haben die Pflicht, den Menschen mit Respekt und Würde zu begegnen, wie wir das auch umgekehrt erwarten würden“. Er verhehlte nicht, dass auch Spannungen und Konflikte entstehen, wenn unterschiedliche Kulturen auf engstem Raum aufeinandertreffen. „Die einzige Möglichkeit ist, einander kennenzulernen, sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen“, forderte er zu reger Kommunikation auf und wünschte sich, dass das besonders gute Klima in Ingelheim erhalten bleibt.

Miguel Vincente wies darauf hin, dass weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht seien und beleuchtete den zwar „verstaubten Begriff Heimat“. Aber: „Die Menschen suchen einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen können und Anerkennung finden“, das sei Heimat für sie. „Machen wir uns nichts vor, es ist unsere humanitäre Verpflichtung, zu helfen“. Dann könne das Land auch davon profitieren. Minas Ioannidis wies darauf hin, dass der Beirat Hilfe bei Problemen leistet und Dominique Gillebeert, die seit sechs Jahren das MIB leitet, bedankte sich noch bei den vielen Mitarbeitern der Stadt und den ehrenamtlichen Helfern.

Auf der Bühne wechselte ein buntes Programm mit Liedern, Musik, Folklore und Tanz bis zum Ende des Festes ab, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war. „Was ist das?“. Diese Frage war immer wieder zu hören und bereitwillig erklärten die Mitarbeiter am Essensstand, aus welchen Zutaten das jeweilige Gericht bestand. Denn auch an den Essensständen fand sich für jeden etwas. Da luden brasilianische Spezialitäten, türkische, libanesische, portugiesische, peruanische, russische und afrikanische Leckereien zum Ausprobieren und essen ein.

Eine Fahrradwerkstatt zeigte, wie platte Reifen geflickt werden können, während sich an anderer Stelle Kinder im Springen durch zwei Seile gleichzeitig übten. Darüber hinaus zeigte sich Ingelheim gleich in mehreren Zelten als „Fair Trade Town“. Hier konnten nicht nur Produkte aus fairem Handel erworben werden, die Helfer und Schüler beantworteten alle Fragen um den fairen Handel.

Damit Ingelheim auch Heimat wird, bieten viele Bürger dem MIB ihre Hilfe an. Alle Interessierten konnten sich in Listen eintragen und sich am Infostand über das Angebot zur Ausbildung als Sprach- und Kulturvermittler zu informieren.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/helfen-als-humanitaere-verpflichtung_16169402.htm

 

Nachhaltige Snacks, Rosen und Nikoläuse

 

Schulleiter Dieter Schacht (v. li.), Florian Pfeil, GEPA-Berater Bede Godwyll, Jens Feith, Lilian Mackert und Sybilla Hoffmann nehmen die Auszeichnung als Fairtrade-Schule entgegen.<br />
	Foto: Thomas Schmidt

Schulleiter Dieter Schacht (v. li.), Florian Pfeil, GEPA-Berater Bede Godwyll, Jens Feith, Lilian Mackert und Sybilla Hoffmann nehmen die Auszeichnung als Fairtrade-Schule entgegen.
Foto: Thomas Schmidt

 

 

Von Beate Schwenk

FAIRTRADE-SCHULE Sebastian-Münster-Gymnasium ist dritte Ingelheimer Schule, die diese Auszeichnung erhält

INGELHEIM - Seit wenigen Tagen darf sich das Sebastian-Münster-Gymnasium (SMG) Fairtrade-Schule nennen. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreichte Jens Feith, Schulberater für nachhaltige Entwicklung in Rheinland-Pfalz, die Urkunde. Damit ist das Gymnasium die dritte Ingelheimer Schule, die diesen Titel trägt. Zuvor waren bereits die Berufsbildende Schule (BBS) und die Integrierte Gesamtschule (IGS) ausgezeichnet worden. In Rheinland-Pfalz haben bislang erst neun Schulen den Kriterienkatalog erfüllt, ein Drittel davon aus Ingelheim.

 

Vielzahl von Aktivitäten

 

 

„Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass hier an der Schule nicht nur der faire Handel, sondern Nachhaltigkeit insgesamt betrachtet wird“, lobte Jens Feith das Engagement der Schulgemeinschaft, die sich den Titel durch eine Vielzahl von Aktivitäten erarbeitet hat. Federführend war das Schulteam, das maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, dass der Stein am Gymnasium ins Rollen kam. Bei der Verleihungsfeier in der Aula stellte Schülersprecherin Lilian Mackert die Arbeit der Gruppe vor. Neben vielen kleineren Aktionen wurden etwa der Verkauf fair gehandelter Rosen zum Valentinstag oder fairer Nikoläuse in der Adventszeit geplant und durchgeführt. Zudem erreichte das Schulteam die Bestückung des Süßwarenautomaten am Gymnasium mit fair gehandelten Snacks.

 

Die Lehrkräfte waren in den Fairtrade-Prozess ebenfalls einbezogen, wie Melissa Grass und Roman Prydaczenko bei der Feier berichteten. Im Unterricht sei das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet worden. Dabei ging es um Aspekte wie Gerechtigkeit und angemessene Löhne, krank machende Produktionsbedingungen, Kinderarbeit oder Ernährung. Die Verleihung des Titels stehe am Ende eines längeren Prozesses, bemerkte Sybilla Hoffmann, Mitglied der Schulleitung. Initialzündung war gewissermaßen die Mitarbeit in der Fairtrade-Steuerungsgruppe der Stadt Ingelheim, die seit Januar 2015 offiziell „Fairtrade-Stadt“ ist.

 

„Die da oben machen sowieso, was sie wollen.“ Das sei ein häufig gehörter Satz, so Schulleiter Dieter Schacht. Man sehe, dass es Ungerechtigkeiten gebe, habe aber das Gefühl, nichts daran ändern zu können. „Fairtrade ist die einzigartige Chance, wirklich etwas zu verändern“, warb er dafür, sich gezielt für faire und nachhaltige Produkte zu entscheiden.

 

Der Fairtrade-Gedanke habe in Europa in den letzten Jahren eine Wahnsinnsentwicklung genommen, es sei aber noch ein langer Weg. „An diesem Tag“, so Schacht, „setzen wir mit der Schule ein Zeichen“. Das Bemühen der Schulgemeinschaft um Nachhaltigkeit wurde auch von Bede Godwyll gewürdigt. „Ich bin echt begeistert, was ihr hier auf die Beine gestellt habt“, schwärmte der Schulberater der GEPA. Der gebürtige Ghanaer veranschaulichte anhand eigener Erfahrungen Sinn und Zweck des fairen Handels.

 

„Es sind keine Almosen“

„Es sind keine Almosen“, machte Bede Godwyll deutlich. Fairtrade stehe vielmehr dafür, dass die Produzenten eine angemessene Bezahlung bekämen. Er selbst habe Glück gehabt, da seine Eltern Lehrer gewesen seien. „Aber ich kannte viele Kinder von Bauern, die irgendwann nicht mehr zur Schule kamen, weil die Eltern keine Möglichkeit hatten, das Schulgeld zu bezahlen.“ Daher Godwylls eindringlicher Appell an die Anwesenden, Politik mit dem Einkaufskorb zu machen.

AZ Ingelheim 14.07.2015

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/nachhaltige-snacks-rosen-und-nikolaeuse_15835660.htm