Allgemeine Zeitung Ingelheim, 27.11.2017 

Oh Du fröhliche, Oh Du nachhaltige . . .

Von Julia Krentosch

ADVENTSMARKT Sebastian-Münster-Gymnasium setzt diese Weihnachten auf fairgehandelte Produkte

INGELHEIM - Gut zwei Jahre ist das Sebastian-Münster-Gymnasium (SMG) jetzt Fairtrade-School. Nachhaltigkeit, bewusster Konsum, fair gehandelte Waren – Ideale, sie nach und nach Einzug halten sollen im Schulbetrieb. Auch der Adventsbasar, mit dem die Schüler traditionell vor dem ersten Advent Spendengelder für gemeinnützige Projekte ehemaliger Schüler sammeln, soll nachhaltiger werden. Fair gehandelte Produkte und Zutaten, kein Plastikgeschirr und Weihnachtliches in den Auslagen, das nachhaltig hergestellt wurde. Viele kleine Dinge eben, die in der Masse den Unterschied machen.

Die Erlöse des Adventsmarktes fließen traditionell in die sozialen Projekte ehemaliger SMG-Schüler in Bolivien, Kenia oder Mexiko. Auch der Ingelheimer Brasilienverein wird bedacht, die Sucht- und Jugendberatung in Ingelheim und Christoph Jaschek, der sich nach seinem Freiwilligendienst in Nicaragua auch weiterhin in Mittelamerika engagiert. Die Allgemeine Zeitung hatte den jungen Mann ein Jahr lang begleitet. „Unsere Klassen sind immer im freundlichen Wettstreit darum, wer für den guten Zweck am Meisten einnimmt“, erzählt Birgit Steck vom Schulelternbeirat. Und Lehrerin Sandra Mikutta ergänzt: „Das ist eine gute Gelegenheit, den Gedanken an nachhaltigen und fairen Konsum im Unterricht zu platzieren“. Bewusst leben, das fängt nämlich im Kleinen schon an, findet sie.

 

Zum Beispiel beim Müll. Dass aus Abfall, den niemand mehr braucht, tolle Dinge entstehen, die man sogar zum Adventsbasar verkaufen kann – auf diesen Gedanken hat Steck die Lehrer gebracht. Sie ist nämlich außerdem Mitarbeiterin von „Engangement Global“ in Mainz, einer Anlaufstelle für entwicklungspolitisches Engagement. Traditionell sind am SMG die fünften und sechsten Klassen für die Adventsbastelei zuständig. Wie das nachhaltig geht? Das lernen ihre zwölf Klassenlehrer bei Thomas Zigahn. Upcycling ist angesagt. Das Produkt, das am Ende des Workshops steht, ist ihm eigentlich weniger wichtig. Ihm geht es um die Message. Das bewusste auseinandersetzen mit der Müllproblematik und dessen Wiederverwertbarkeit. Die Workshopteilnehmer sollen sich und ihren persönlichen Konsum hinterfragen. Und: vielleicht kommt der eine oder andere ja auch auf kreative Upcycling-Ideen. Damit die Lehrer, die heute vor ihm sitzen, das Wissen als Multiplikatoren auch an ihre Schüler weitergeben können, macht Zigahn die einzelnen Arbeitsschritte langsam vor. Die Lehrer machen es ihm nach.

So entstehen innerhalb kürzester Zeit Geldbeutel aus Tetrapacks, Notizzettelhalter aus Büchern oder Obstschalen aus Schallplatten. Tolle Produkte, für die zum Adventsmarkt sicher gerne das Portemonaie gezückt wird. 

Zehn Fairtrade-Botschafter gibt es übrigens seit Beginn des Schuljahres. Unterstützt von Lehrerin Melissa Gaß setzten sich die Schüler für fair gehandelte Produkte und Nachhaltigkeit im Schulbetrieb ein. Ein Thema, verrät Gaß, dass auch bei Eltern auf offene Ohren stößt. Als es etwa an die Frage ging, ob die Kinder viele verschiedene Filzstifte im Mäppchen haben müssen, oder ob es am Ende vielleicht auch drei Bundstifte tun, habe man durchweg positive Rückmeldungen bekommen. Genau so bei den Themen Holzlinieal, Zeitungseinband für Schulbücher, und, und, und. Gaß und die Fairtrade-Botschafter wollen dran bleiben. Angefangen beim Adventsmarkt, für den die Schüler seit Wochen basteln und werken. Im Sinne des Fairtrade-Gedanken, versteht sich.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/oh-du-froehliche-oh-du-nachhaltige--_18347837.htm