Beim Einkauf an Fairtrade denken

FORUM AM ABEND WBZ-Chef spricht an der IGS über Kinderarbeit und katastrophale Arbeitsbedingungen

INGELHEIM - (red). Kann Fairtrade die Welt verändern? Zu dieser Fragestellung lud die IGS Ingelheim ein, selbst Fairtrade school seit 2015, um mit Florian Pfeil, Geschäftsführer des WBZ Ingelheim und Koordinator der Initiative Fairtrade Town Ingelheim, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum am Abend“ zu diskutieren.

„Die Frage, die wir uns als Konsumenten stellen müssen, ist, wie man ein T-Shirt für 1,99 herstellen kann“, fragt Pfeil in die Aula der IGS Ingelheim. Mehr als 200 Schüler und weitere Gäste haben sich hier eingefunden, um sich über Fairtrade allgemein und über die Bemühungen der IGS im Besonderen zu informieren. Pfeil erläutert anhand von drei Branchen, unter welchen Bedingungen Produkte des alltäglichen Bedarfs produziert werden. „Die Höhe der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ist trotz der Aufdeckung durch Journalisten in den vergangenen Jahren immer noch sehr“, gibt Pfeil zu bedenken.

Schlechte Luft und Mangel an Trinkwasser

Auch die Arbeitsbedingungen in afrikanischen Rosenplantagen entsprechen nicht europäischem Standard. Frauen, die hier arbeiten, verdienen weniger als 50 Dollar pro Monat, und Arbeitsschutz spiele hier selten eine Rolle. „Besonders habe ich Solches in den Kleidungsfabriken, die wir während Bildungsreisen des WBZ in der sogenannten dritten Welt gesehen haben, erlebt“, berichtet Pfeil. „Die Luft in den Nähereien ist oftmals sehr schlecht. Die tropischen Temperaturen und der Staub, der durch die Nähmaschinen beim Nähen entsteht, lassen ein hochexplosives Gemisch entstehen“, so Pfeil. Daher sind Brände in Nähereien, wie etwa die Brände in Nähereien in Bangladesh, unvermeidbar. Die Arbeiterinnen, berichtet Pfeil, leiden hier aber nicht nur unter schlechter Luft, sondern auch unter Mangel an Trinkwasser. Die Arbeiterinnen bekommen während ihrer Arbeitszeit nur sehr selten etwas zu trinken, da Toilettenpausen aus Sicht von Arbeitgebern die Arbeitszeit beeinträchtigen könnten.

„Fairtrade kann die Welt zwar nicht verändern, aber es kann einen Beitrag für einzelne Menschen leisten“, mahnt Pfeil. So berichtet er davon, dass durch den Konsum von Fairtrade-Produkten Bauern einen höheren Preis für ihre Rohstoffe bekommen und so ihren Kindern ein Universitätsstudium finanzieren können.

„Nachdem wir uns mit Fairtrade und seinen globalen Auswirkungen beschäftigt haben, möchten wir uns ansehen, wie wir lokal auch tätig werden können“, leitet Hans Berkessel, Moderator des Abends und ehemaliger Lehrer an der IGS, über zur Präsentation der „Eine-Welt-Kiosk AG“ an der IGS Ingelheim. Die Schülerinnen und Schüler erläutern, wie es zur Gründung der AG kam. „Jedes Jahr spenden wir unseren Gewinn, den wir durch den Verkauf von Fair-trade-Produkten in unserer Schule erwirtschaften, an Projekte, die Menschen, wie etwa philippinischen Schülern, helfen, ihren Schulabschluss zu erlangen“, erklärt Ben Binder (14), Mitglied der AG.

„Wichtig ist, dass wir uns bewusst sind, dass wir tagtäglich an der Supermarktkasse als Verbraucher entscheiden können, wen wir unterstützen“, schließt Philipp Michol, Organisationsleiter an der IGS, den Abend, den er gemeinsam mit Hans Berkessel gestaltet hat.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/beim-einkauf-an-fairtrade-denken_18196678.htm

Quelle: Allgemeine Zeitung Ingelheim, 22.09.2017