17.01.2018 AZ Ingelheim / Beate Schwenk

Warum Fairtrade Kette braucht: Ingelheims Fairtrade-Vorsitzender

spricht über neue Konsummuster

Ingelheim ist Fairtrade-Stadt. Passend dazu gibt es bei der Touristinformation im Rathaus auch Fairtradekaffee und -tassen zu kaufen. 	Archivfoto: Stadt Ingelheim

Foto: Stadtverwaltung Ingelheim

INGELHEIM. Vor viereinhalb Jahren machte sich die Stadt Ingelheim auf den Weg, „Fairtrade-Stadt“ zu werden. 2015 wurde ihr der Titel offiziell verliehen. Was sich in Ingelheim seither getan hat, und wo es noch Handlungsbedarf gibt, darüber sprachen wir mit Dr. Florian Pfeil, dem Vorsitzenden der Steuerungsgruppe der Ingelheimer Fairtrade-Initiative.

Herr Dr. Pfeil, was hat sich seit dem Start der Initiative in Ingelheim verändert? Wie sieht es beispielsweise mit der Bereitschaft von Geschäften und Gastronomiebetrieben aus, auf fair gehandelte Waren umzusteigen?

Es hat sich in der Tat einiges geändert. Vor allem ist auffällig, dass die großen Ladenketten mehr und mehr faire Produkte in ihr Sortiment nehmen. Das ist natürlich sehr erfreulich, denn der Faire Handel kann nur dann Wirkung entfalten, wenn er möglichst viele Menschen erreicht. Die großen Ladenketten bringen den Fairen Handel direkt auch zu jenen Kundinnen und Kunden, die nicht gezielt nach Produkten aus Fairem Handel suchen. Sorgen macht mir allerdings, dass eine Reihe kleiner Läden in Ingelheim, die im Fairen Handel besonders engagiert waren, mittlerweile nicht mehr existieren.

Es ist wichtig, dass wir uns fragen, warum das so ist. Für unsere Steuerungsgruppe war immer besonders wichtig, dass sich auch diese Unternehmerinnen und Unternehmer in unsere Arbeit aktiv eingebracht haben. Damit ist bei den großen Ketten nicht unbedingt zu rechnen. Und auch in der Gastronomie gibt es in Ingelheim noch Luft nach oben. Da steckt auch für uns als Steuerungsgruppe noch Arbeit darin.

Sie hatten ja bei der Auszeichnungsfeier 2015 appelliert, „Politik mit dem Einkaufskorb“ zu machen. Ist dieser Appell bei den Ingelheimerinnen und Ingelheimern angekommen?

Das hoffe ich sehr! Trotzdem bleibt viel zu tun. Ehrlicherweise muss man ja sagen: Es reicht nicht, wenn jemand hin und wieder einen fairen Kaffee kauft, womöglich sogar noch „To Go“ im Einwegbecher. Mehr Menschen müssen bereit sein, ihre Konsummuster grundsätzlich zu hinterfragen und bewusster, ökologischer, fairer und nachhaltiger zu konsumieren.

Was kann die Steuerungsgruppe dafür tun?

Wir müssen daran arbeiten, die Zusammenhänge globalisierter Produktion und ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und auf Menschen in armen Ländern zu verdeutlichen. Der erste Schritt muss es sein, Wissen zu vermitteln. Der zweite, mühsamere Schritt ist es, mehr Menschen vom Wissen zum Handeln zu bewegen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Aktuell arbeiten wir vor allem an der Vernetzung mit anderen regionalen und überregionalen Akteuren des Fairen Handels, etwa mit der Planungsgruppe einer Metropolregion „Rhein.Main.Fair“ oder bei den Treffen der rheinland-pfälzischen ,FairTrade-Towns’.

Dass sowohl der Oberbürgermeister wie auch ich selbst in den Entwicklungspolitischen Beirat der Landesregierung berufen wurden, ist sicher auch eine Anerkennung für das Ingelheimer Engagement und unsere regionale Vernetzung. In Ingelheim wollen wir auch wieder mit Aktionen und Infoveranstaltungen präsent sein – das planen wir im Januar.