Allgemeine Zeitung Ingelheim, 13.02.2018

Ingelheimer Unternehmen finden Fairtrade-Siegel gut

 
Von Nils Salecker

INGELHEIM - Im Jahr 2016 knackten Produkte mit Fairtrade-Siegel in Deutschland erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro. Im Vergleich zu nicht gesiegelter Ware ist das zwar noch marginal, aber es wird mehr. Ingelheimer Gastronomen und Einzelhändler, die Fairtrade-Produkte führen (siehe Bericht oben), berichten: Fairtrade finden viele ihrer Kunden zwar gut, nur wenige kaufen aber nach diesem Kriterium ein. Vieles gibt es auch gar nicht fair zu kaufen. In den Supermärkten finden sich zwar einige Fairtrade-Produkte, die ganz große Mehrheit des Sortiments trägt allerdings nach wie vor keine Fairtrade-Siegel. Dagegen taucht das grün-weiße Bio-Siegel weitaus häufiger auf.

Fairtrade ist eine gute Sache, da sind sich die Ingelheimer einig. Aber auch wenn Rewe-Betreiber Markus Brzezina berichtet, dass das Interesse an „fairtrade“ mit Beginn der Kampagne in Ingelheim 2015 zugenommen habe, der große Reibach lässt sich damit noch nicht machen. Faire Schokoladentafeln gehen ganz gut, fairer Kaffee im Vergleich zum nicht zertifizierten dagegen eher weniger. Weil andere Marken eher mal reduziert sind als die Fairtrade-Pakete, berichtet Brzezina.

Preis, Geschmack und Auswahl sind wichtiger

Prinzipiell weiß er auch, dass „fair“ für viele Kunden nicht ausschlaggebendes Kriterium zum Kauf ist. Geschmack, Preis oder Auswahl beispielsweise seien vielen wichtiger. Die Variation sei beispielsweise bei Tee von herkömmlichen Herstellern viel größer. Auch die Nachfrage nach fairen Rosen ist eher gering, berichtet Christina Gutsche-Leusch vom Blumenladen Korus, die selbst gute Erfahrung mit Fairtrade gemacht hat: „Man kann gut nachvollziehen, wo die Blumen herkommen.“

Heidi Breiling-Wierczeiko vom „Teekännchen“ in der Bahnhofstraße kennt das Problem. Es sei gar nicht so einfach, „bio“ und „fairtrade“ im Verbund zu bekommen. „Viele Teefirmen zieren sich noch vor der Zertifizierung“, sagt sie. Und fairen Kaffee gebe es mittlerweile in jedem Supermarkt. „Aber der schmeckt nicht so gut.“ Vor zwei Jahren hat Breiling-Wierczeiko einen schmackhaften gefunden und ausschließlich auf fairen Bio-Kaffee umgestellt. „Mir ist das wichtig, für mich sind Bio- und faire Lebensmittel privat ganz normal.“ Erziehen könne man den Kunden nicht, das weiß Breiling-Wierczeiko nur zu gut. Beim fairen Handel sieht sie deshalb auch vielmehr Einzelhändler und Gastronomen in der Verantwortung als den Verbraucher. „Wir haben eine Multiplikator-Funktion“, sagt die „Teekännchen“-Inhaberin. Ihr Weg ist, ihrer Kundschaft „fair“ etwas subtiler schmackhaft zu machen. „Ich erreiche mehr Leute, wenn ich es nicht extra dazuschreibe“, meint sie. „Wenn jemandem was schmeckt, sage ich ihm: Das ist übrigens Bio und Fairtrade.“ Der Aha-Effekt sei so viel größer.